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Stille


erster Schnee, Langlauf
Stille

Heute hat sie mich besucht. Irgendwie ist sie wohl gestern Abend mit dir mitgekommen. Durch die verschneite Winternacht. Vielleicht hat unser gemeinsames Lachen sie herausgelockt oder es war einfach an der Zeit. Die Suche nach der Stille begleitet mich schon seit einiger Zeit. Du hast einmal gesagt:


Die absolute Stille führt mich zu meinem ersehnten Glück.

Doch bisher hatte ich sie wohl eher als etwas Bedrohliches gesehen. Still war es bei mir immer, wenn ich als Kind nicht lieb war. Später bestrafte ich mich selbst und andere mit langen Sprechpausen, um zu demonstrieren, dass mir etwas nicht passt. Dabei ist die Stille für uns eine Möglichkeit, mit uns selbst besser in Kontakt zu kommen. Hatte ich ihr nur diesen schlechten Touch gegeben? Ist es nicht wundervoll, wenn sich Ruhe in uns ausbreitet? Vor ein paar Tagen wurde mir das sehr klar. Auch in der Stille zwischen uns liegt eine magische Kraft. Erst in ihr kann sich unsere Liebe entfalten und ausdehnen.


Bisher versuchte ich immer, die Stille in mir zu finden, beim Meditieren, beim Arbeiten oder wenn ich meine Gedankenkaruselle bezwang. Doch heute überraschte sie mich. Mein Körper forderte sie. Ich spüre, wenn mein Körper sich etwas wünscht, ist mein Geist schneller bereit, diesen Wunsch zu erfüllen. Wenn ich mir dagegen mit meinem Kopf etwas vornehme, probiere oder trainieren will, brauche ich oft sehr lange. Ich finde immer wieder Ausreden oder muss mich extrem disziplinieren, um ans Ziel zu gelangen.

Äußert dagegen mein Körper diese Bitte, schließen sich Seele, Geist und Körper zusammen und arbeiten gemeinsam daran. Das klingt komisch, fühlt sich aber so an.


Sobald mein Kopf über einen Gedanken nachdenken, ihn mit alten Erfahrungen anreichern oder in eine Gedankenschleife verfallen will, springt mein Körper ein. Er nimmt diesen Gedanken auf. Ich spüre diesen Gedanken in meinem Körper, atmete automatisch tiefer und gebe mich diesem Gefühl hin. Nur dieser eine Gedanke löst das Gefühl aus.

Im Normalfall denke ich so lange über einen Gedanken nach. Dann entstehen meine Gefühle nicht zu dem Gedanken sondern viel mehr zu den Gedanken, die ich mir über den Gedanken mache. Da das oft Zweifel, Grübeleien oder Unsicherheiten sind, fallen die Gefühle auch so aus. Ich rutsche mit dem Gedanken in die Vergangenheit, sehe mich in ähnlichen früheren Situationen. Die Emotionen der Vergangenheit schwappen hoch, noch bevor ein eigentliches Gefühl im Moment entstehen kann.


Heute ist das anders. Mein Kopf denkt den Gedanken. Mein Körper nimmt ihn ein. Er spürt in ihn hinein. Damit haben meine Gedanken automatisch Pause. Es wird still. Ich genieße diese Stille. Sie ist so zauberhaft, dass auch mein Kopf gar keine Lust mehr hat, diesen Gedanken zu drehen und zu wälzen wie sonst. Auch er feiert diese Stille. Insgeheim weiß er ja, wie gut sie uns tut. Wir fühlen uns vereint als Körper, Geist und Seele. In dieser Einheit und der Stille können jetzt wundervolle Dinge entstehen, sich ausbreiten und fließen. Ich bin sehr dankbar, weil ich weiß, dass das wieder ein entscheidender Schritt auf der Reise zu mir selbst ist.

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